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IT-INFRASTRUKTURCYBERSECURITY

Sichere Passwörter in Embedded Devices: Was Unternehmen jetzt wissen müssen

Router, Drucker, Kameras, speicherprogrammierbare Steuerungen – in jedem Unternehmensnetz schlummern Dutzende netzwerkfähige Geräte mit voreingestellten Standardpasswörtern. Das BSI warnt seit Jahren: Diese Geräte sind das am häufigsten unterschätzte Einfallstor für Angreifer. Was die offiziellen BSI-Empfehlungen besagen und wie Sie handeln.

3. Juni 2026
10 min Lesezeit
Von Keep IT Fair · Basierend auf BSI-CS 069 & BSI-CS 128

Was sind Embedded Devices – und warum sind sie ein Sicherheitsrisiko?

Als Embedded Devices bezeichnet man netzwerkfähige Geräte mit eingebetteter Firmware, die einen spezifischen Zweck erfüllen – im Gegensatz zu allgemeinen Computern. Sie finden sich in jedem Unternehmen, oft ohne dass die IT-Abteilung sie alle im Blick hat.

Netzwerktechnik
Router, Switche, Access Points, Firewalls
Bürogeräte
Drucker, Scanner, Kopierer, Multifunktionsgeräte
Industriesteuerung
SPS (Speicherprogrammierbare Steuerungen), SCADA-Systeme, HMIs
Gebäudetechnik
IP-Kameras, Zutrittssysteme, Thermostate, Smart-Building-Komponenten
Unterhaltung & Kommunikation
VoIP-Telefone, Set-Top-Boxen, Videokonferenzsysteme
Medizintechnik
Infusionspumpen, Patientenmonitore, Diagnosegeräte

All diese Geräte haben eines gemeinsam: Sie implementieren netzwerkbasierte Dienste – HTTP(S), FTP, Telnet, SNMP, SSH – und schützen den Zugriff darauf in der Regel mit einem Passwort. Und genau dieses Passwort ist das Problem.

BSI-Definition (BSI-CS 069): Embedded Devices sind netzwerkfähige Komponenten mit eingebetteter Firmware, die ähnliche Dienste wie Serversysteme implementieren – jedoch ohne die typischen Sicherheitsmechanismen moderner IT-Infrastruktur.

Standardpasswörter & Backdoors: Die unterschätzte Gefahr

Embedded Devices werden fast ausnahmslos mit voreingestellten Standardpasswörtern ausgeliefert. Das BSI stellt in seiner Veröffentlichung BSI-CS 069 fest: Diese Passwörter lassen sich „anhand der oftmals online verfügbaren Produktdokumentation oder über Onlineforen einfach in Erfahrung bringen." Benutzernamen sind häufig sogar direkt aus der Weboberfläche ablesbar – etwa als Dropdown-Liste vorhandener Konten.

Da eine Änderung dieser vordefinierten Zugangsdaten bei der Integration und Inbetriebnahme häufig unterbleibt, kann ein Angreifer Vollzugriff auf das Gerät erlangen, ohne Schadsoftware oder spezielle Tools einzusetzen. Ein einfacher Browser reicht aus.

Zwei Arten von Passwort-Schwachstellen
Voreingestellte, änderbare Standardpasswörter

Das Gerät wird mit einem dokumentierten Default-Passwort ausgeliefert (z. B. "admin/admin", "admin/password", "user/1234"). Das Passwort lässt sich ändern – wird aber im Betrieb oft nicht geändert. Diese Passwörter sind auf Webseiten wie RouterPasswords.com oder in Produkthandbüchern frei zugänglich.

Festcodierte Passwörter & Backdoors

Kritischer: Passwörter, die fest in der Firmware implementiert sind und vom Nutzer nicht geändert werden können. Teils aus der Entwicklungsphase übrig geblieben, teils absichtlich als Wartungszugang eingebaut. Für Industriesteuerungen (SPS) bedeutet das: Ein Angreifer kann die Konfiguration verändern, Schadsoftware installieren oder das Steuerprogramm gegen ein manipuliertes austauschen.

Besonders gefährlich: In vielen Unternehmen werden Embedded Devices wie Router, Drucker oder Kameras einmalig eingerichtet und dann jahrelang nicht mehr angerührt. Security-Updates bleiben aus, Passwörter werden nie geändert – und niemand prüft, ob diese Geräte von außen erreichbar sind.

Keine Theorie: Reale Angriffe und ihre Zahlen

Die Bedrohung durch schlecht gesicherte Embedded Devices ist keine akademische Übung. Das BSI dokumentiert in seinen Veröffentlichungen mehrere aufsehenerregende Vorfälle:

2013
Carbanak – Bankraub über Überwachungskameras

Eine Hackergruppe kompromittierte Überwachungskameras in Banken, um Bildschirminhalte und Tastatureingaben auszuspähen, Mitarbeiter als Spear-Phishing-Ziele zu identifizieren und Abläufe zu analysieren. Schaden: über eine Milliarde US-Dollar bei mehr als 100 Finanzinstituten weltweit.

Quelle: BSI-CS 128 – Allianz für Cyber-Sicherheit / BSI
2014
Insecam – 73.000 Webcams öffentlich zugänglich

Die Webseite Insecam stellte Live-Videostreams von 73.000 unzureichend geschützten Webcams öffentlich zur Verfügung – ausschließlich durch Ausnutzung von Standardpasswörtern. Betroffen waren vor allem private Nutzer, aber auch Unternehmen und öffentliche Einrichtungen.

Quelle: BSI-CS 128 – Allianz für Cyber-Sicherheit / BSI
2016
Mirai-Botnet – Größter DDoS-Angriff der Geschichte

Die Schadsoftware Mirai infizierte hunderttausende Embedded Devices (Kameras, Router) ausschließlich über Standard- und Schwachstellen-Passwörter. Das daraus entstandene Botnet führte einen der massivsten DDoS-Angriffe der Geschichte durch und legte zeitweise große Teile des US-Internets lahm.

Quelle: BSI-CS 128 – Allianz für Cyber-Sicherheit / BSI
Studie
300 Medizingeräte – 40 Hersteller betroffen

IT-Sicherheitsexperten entdeckten in rund 300 medizinischen Geräten von 40 verschiedenen Herstellern gravierende Schwachstellen im Bereich der Passwortsicherheit. Angriffe auf medizinische Geräte können direkte Auswirkungen auf die Patientensicherheit haben.

Quelle: BSI-CS 069 – Allianz für Cyber-Sicherheit / BSI
Studie
"Internet Census" – 420.000 Geräte über Standardpasswörter

Ein Sicherheitsforscher schloss über 420.000 Embedded Devices zu einem Botnet zusammen – ausschließlich durch die Nutzung öffentlich bekannter Standardpasswörter. Weder Schadsoftware noch Exploits waren notwendig. Die Geräte hatten nach der Lieferung nie ein neues Passwort erhalten.

Quelle: BSI-CS 069 – Allianz für Cyber-Sicherheit / BSI

BSI-Empfehlungen: Was Hersteller, Integratoren und Betreiber tun sollen

Das BSI adressiert in BSI-CS 069 drei Rollen mit jeweils spezifischen Anforderungen. Für Unternehmen im Mittelstand ist vor allem die Betreiber-Perspektive relevant – aber auch die Integratorenrolle, wenn Sie Geräte selbst einrichten oder einrichten lassen.

Hersteller
  • Hinweis auf Standardpasswort an prominenter Stelle in der Doku
  • Änderung des Passworts bei Ersteinrichtung erzwingen
  • Auslieferung mit individuellem Passwort (z. B. aus Seriennummer)
  • Keine Backdoors und festcodierten Zugangsdaten
  • Sichere Speicherung: PBKDF2, bcrypt – kein MD5/SHA-1 ohne Salt
  • Brute-Force-Schutz: Sperrung nach 5 Fehlversuchen für 1 Minute
Integratoren
  • Individuelle, komplexe Passwörter für alle Benutzerkonten setzen
  • Dokumentation mit Passwortanforderungen an Kunden übergeben
  • Nicht benötigte Dienste und Konten deaktivieren
  • Netzwerksegmentierung: Kritische Systeme nicht direkt im Internet
  • Fernzugriff nur über VPN absichern
Betreiber
  • Asset Management etablieren: Alle Geräte erfassen
  • Hersteller-Empfehlungen zu Passwörtern zwingend beachten
  • MAC/IP-Filtermechanismen als flankierende Maßnahme
  • Brute-Force-Erkennung implementieren
  • Security Patches zeitnah einspielen
  • CERT-Meldungen zu betroffenen Geräten beobachten

Technischer Hinweis des BSI zu kryptografischer Speicherung: Passwörter müssen unter Verwendung hinreichend sicherer kryptografischer Mechanismen gespeichert werden.

Empfohlen: PBKDF2, bcrypt (Blowfish-basiert), Salted Hash
Unsicher: MD5, SHA-1 ohne Salt – vom BSI explizit abgeraten

6 konkrete Maßnahmen für Ihr Unternehmen – jetzt umsetzbar

Basierend auf den BSI-Empfehlungen (BSI-CS 069 und BSI-CS 128) haben wir die wichtigsten Maßnahmen für den Mittelstand zusammengefasst:

01

Asset Management: Alle Embedded Devices erfassen

Sie können nicht schützen, was Sie nicht kennen. Erstellen Sie ein vollständiges Inventar aller netzwerkfähigen Geräte – Router, Switche, Drucker, Kameras, SPS, Heizungssteuerungen, Zugangssysteme. Viele Unternehmen sind überrascht, wie viele dieser Geräte in ihrem Netz aktiv sind.

Sofortmaßnahme: Netzwerk-Scan durchführen (z. B. mit Nmap) und alle erreichbaren Geräte mit IP, Typ, Hersteller und Firmware-Version dokumentieren. Danach regelmäßige Wiederholung einplanen.
02

Standardpasswörter sofort ändern

Jedes Gerät, das mit einem Standardpasswort ausgeliefert wird, muss bei der Inbetriebnahme ein individuelles, sicheres Passwort erhalten. Das gilt für die Admin-Oberfläche, aber auch für alle anderen Zugangswege: SSH, FTP, SNMP, Telnet. Das BSI empfiehlt dabei die Verwendung hinreichend komplexer Passwörter mit Groß-/Kleinbuchstaben, Ziffern und Sonderzeichen.

Sofortmaßnahme: Passwort-Inventar anlegen: Für jedes Gerät das Standardpasswort durch ein individuelles, dokumentiertes Passwort ersetzen. Passwörter sicher in einem Passwort-Manager hinterlegen.
03

Nicht benötigte Dienste deaktivieren

Embedded Devices implementieren oft dieselben Dienste wie Server: HTTP, FTP, Telnet, SNMP, SSH. Was nicht gebraucht wird, sollte abgeschaltet werden. Besonders Telnet und SNMPv1/v2 gelten als chronisch unsicher und sollten in Unternehmensnetzen grundsätzlich deaktiviert sein.

Sofortmaßnahme: Admin-Interface jedes Geräts prüfen: Telnet, FTP und SNMPv1/v2 deaktivieren. Nur HTTPS und SSH (mit Zertifikat) als Zugangswege zulassen.
04

Netzwerksegmentierung: Embedded Devices isolieren

Kritische Systeme, auf die per Passwort zugegriffen wird, sollten nicht direkt über das Internet erreichbar sein. Das BSI empfiehlt, Embedded Devices in separaten physischen Netzbereichen oder VLANs zu betreiben. So wird verhindert, dass ein kompromittiertes Gerät als Sprungbrett ins gesamte Unternehmensnetz dient.

Sofortmaßnahme: IoT-VLAN einrichten, in dem alle Embedded Devices zusammengefasst werden. Zugriff aus diesem VLAN ins Unternehmensnetz auf das Notwendigste beschränken.
05

Firmware & Patches zeitnah einspielen

Hersteller veröffentlichen regelmäßig Security-Updates für Embedded Devices. Diese schließen oft kritische Schwachstellen – auch in der Passwortverwaltung oder Authentifizierung. Wer nicht patcht, bleibt angreifbar, selbst wenn er starke Passwörter verwendet.

Sofortmaßnahme: Patch-Prozess für Embedded Devices etablieren: Herstellerseiten und CERT-Meldungen abonnieren, Update-Zyklus festlegen, Firmware-Versionen dokumentieren.
06

Fernzugriff nur über VPN

Ist ein Fernzugriff auf Embedded Devices erforderlich, sollte dieser ausschließlich über eine VPN-Verbindung erfolgen. Direkte Port-Weiterleitungen auf Router oder Kameras über das Internet sind in Unternehmensumgebungen grundsätzlich abzulehnen. Außerdem sollten keine Standard-Ports (22, 23, 80) nach außen freigegeben sein.

Sofortmaßnahme: VPN-Lösung für alle Remote-Zugriffe auf Embedded Devices einrichten. Port-Weiterleitungen aus dem Router entfernen. Offene Ports regelmäßig mit externem Port-Scanner prüfen.

Warum eine einmalige Maßnahme nicht ausreicht

Embedded Device Security ist kein einmaliges Projekt – es ist ein kontinuierlicher Prozess. Geräte werden ausgetauscht, neue kommen hinzu, Firmware-Updates ändern Konfigurationen, und neue Schwachstellen werden laufend entdeckt. Das BSI empfiehlt daher explizit, CERT-Meldungen zu abonnieren und einen strukturierten Patch-Prozess für alle Geräteklassen zu etablieren.

Unbekannte Geräte

In den meisten Unternehmensnetzen existieren Geräte, die der IT-Abteilung nicht bekannt sind – vom Mitarbeiter angestöpselte Switches, vergessene Kameras, ältere SPS in der Produktion. Diese Geräte tauchen in keinem Patch-Prozess auf.

Shadow IT & OT

Besonders in Produktionsumgebungen werden Embedded Devices oft von Fachabteilungen oder externen Dienstleistern eingerichtet – ohne Einbindung der IT-Sicherheit. Standardpasswörter bleiben, Segmentierung fehlt.

Fehlende Überwachung

Wer prüft, ob ein Router oder eine Kamera gerade ungewöhnliche Verbindungen aufbaut? Ohne Monitoring und Netzwerkanalyse bleibt eine Kompromittierung oft monatelang unentdeckt.

NIS2-Relevanz

Für Unternehmen, die unter die NIS2-Richtlinie fallen, sind Schwachstellen in Embedded Devices ein direktes Compliance-Risiko. Fehlende Asset-Inventare und ungepatchte Geräte gelten als Verstoß gegen die geforderten Mindestsicherheitsmaßnahmen.

Wie viele Embedded Devices mit Standardpasswörtern hat Ihr Unternehmen?

Wir führen für Sie einen vollständigen Netzwerk-Scan durch, identifizieren alle Embedded Devices, prüfen Passwörter und Konfiguration und erstellen einen priorisierten Maßnahmenplan – basierend auf den offiziellen BSI-Empfehlungen.

Jetzt Sicherheitsanalyse anfragen

Dieser Beitrag basiert auf den offiziellen BSI-Veröffentlichungen BSI-CS 069 „Sichere Passwörter in Embedded Devices" (Version 2.0, 2018) und BSI-CS 128 „Sicherheit von Geräten im Internet der Dinge" (Version 2.0, 2017) der Allianz für Cyber-Sicherheit / Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik.

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IT-Sicherheit & IT-Support für den Mittelstand · Norderstedt / Hamburg

Standardpasswörter sind kein Kavaliersdelikt – sie sind das Einfallstor

Lassen Sie uns gemeinsam prüfen, welche Ihrer Embedded Devices heute noch mit Default-Zugangsdaten laufen.

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